Aurea Cailin

Aurea Cailín

Ich bin eine Reisende, fliege um die halbe Welt, beobachte sie größtenteils von dem weiten, frisch grenzenlosen Himmel, aber auch am nährenden kraftvollen Boden sehe ich mich nie satt.
Aurea Cailín ist der Name der mir entgegen hallt. Aurea steht für das ‚Goldene’, was jeder in seinen Herzen trägt. Einige werden es mit dem glänzenden Metall in Verbindung bringen, das finanziell reich und abhängig macht.
Cailín bedeutet in eurer Sprache „Mädchen“, ein Lebewesen, welches sich frei und unbeschwert im von Wolken beschütztem blauen Himmel bewegen will. Sie beglückt mit ihrem Charakter die ganze Welt unerkannt und übernimmt immer eine verteidigende Rolle, denn Mädchen haben oft eine andere Position.
Oft lachte ich bescheiden. Lachen hinter einer Maskerade, oftmals hinter einer Hilflosigkeit meines Wesens.
Bin ich genug? Bin ich wertvoll?
Der Sternenhimmel ist ein offenes Ohr für solche Fragen, ist er auch für eine Antwort bereit? Muss es eine Antwort geben? Verwirrung steht in meinem Gesicht. Augen nach einer Suche, die eine Leere füllen soll. Es soll die umhertanzenden Geister im Kopf verjagen, der Tanz eines extravaganten Stückes, dass nicht zuletzt Leben heißt.
Ich bin bestürzt! Ich bin fasziniert! Tränen bilden sich in meinen Augen! Der Sternenhimmel lacht mir entgegen „Bist du wirklich so töricht?“ fragt er.
„Was meinst du?“ frage ich. „Bin ich töricht? Ja“ sagte ich „wenn du mit töricht eine eigene Verletzlichkeit meinst, die andere Menschen mutwillig handeln lässt, ohne ihr Handeln zu überlegen. Eine Hoffnung zu verlieren, die nicht verloren gehen sollte. Ja, dann bin ich töricht.“, sagte ich.
„Endloses Universum, du und deine Grenzlosigkeit, was lässt dich so schön erscheinen?“, fragte ich.
„Es sind die einzelnen kleinen Lichter, die ich hüte. Die ich beschütze.“, sagte das Universum und ich überlegte. „Beschützt du wirklich die Lichter oder hüten die Lichter dich?“ Das Universum war überrascht, darüber hatte es wohl selten nachgedacht. Die Tage und Nächte vergingen und ich wartete auf Antwort. Nichts kam!
Mein Körper war außer Gleichgewicht, eine Ruhelosigkeit überkam mein Wesen. Die Wälder, welche ich durchforstete hauchten mir wohlbekannte Musik in die Ohren. Das Leben, die Bewegung von Rhythmen und Harmonie machten sich breit. Dynamisch tanzten die Äste der Birken und Trauerweiden im Windspiel. Was wollten sie mir sagen?
„Sagt Äste der weißen emporragenden Birke und der melancholisch schwingenden Trauerweide, was habt ihr zu erzählen?“
Das Rauschen der Äste verstummte wie nie zuvor, stillstand. Erhaben kniete ich mich vor ihnen nieder, küsste den wertvollen Boden, strich über die lebenden Wurzeln – Lebewesen die vergessen gelten.
„Was wir zu erzählen haben?“ fragten sie und ein Echolot entstand, sodass der Nachhall noch in meinen Ohren und Gliedern einige Sekunden vibrierten. Eine Traurigkeit umgab kurz meine Gestalt.
„Wir stehen hier und bewegen uns zum Wind. Erfreuen uns an pausierenden Vögeln, indem wir ihrem Zwitschern lauschen und am freiheitlichen Leben teilnehmen.“, erzählte die stolze Weiße.
„Was soll ich dir erzählen?“, fragte die hängende Starke. „Die Wurzeln tief in die Erde begraben, bin ich oft ein Zufluchtsort. Mein Dasein symbolisiert Vergänglichkeit und Wahrhaftigkeit. Nicht selten verirren sich Verliebte zu mir, um ihre stillen Fragen zu beantworten. Doch du, kleines Wesen schaust anders drein. Was ist es? Ich kann es nicht ganz deuten.“, fragte die Weide etwas besorgt.
„Ich wollte eure Geschichten hören. Vermutlich habt ihr oft nicht die Gelegenheit, darüber zu erzählen. Ihr, die schon so lange auf der Erde weilt.“
„Herzliches Geschöpf, du musst dir um uns keine Gedanken machen. Dennoch hab´ vielen Dank! Es ist eine seltene Geste, die wir nicht vergessen werden. Wahrheitsgemäß, reden wir nicht, vielmehr ist es der Wind, der unsere stummen Gedanken hörbar ziehen lässt. Oftmals dichtet er etwas dazu. Glaub ihn also nicht immer!“, sagten beide mit einem kleinen Lachen, welches mehrmals wiederhallte.
Ich durchquerte weiter das riesige Land, die flachen langen Felder, die farbenfrohen Wiesen, die nie stumm werdenden Wälder, die emporragenden Gebirge, die wilden Flüsse, die grenzlosen Meere, die ruhigen in sich gekehrten Dörfer und die nie endlos lauten, leuchtenden Städte. Jedes Mal machte ich faszinierende und seltsame Erfahrungen. Erfahrungen, die mir in meinen tiefen Innerem Angst bereiteten, welche meine Muskeln und Nerven lahm werden ließen. Sich nicht mit meinen Gedanken vereinbarten. Wieder andere Erlebnisse gaben mir Kraft zur Sonnenseite der Erde zu blicken und den Strahlen zu folgen. Vielleicht konnten sie mir Hoffnung und Träume geben und mir die Zukunft weisen,
auch wenn manchmal dunkle Wolken den Himmel bedeckten oder gar ein dichter Nebel die Sicht versperrte, ich gezwungen wurde, die Route zu verlassen, denn der Wind erzählte mir zu gerne von seinen verrückten Geschichten. Sein Klang verwirrte mich. Er lenkte mich in stürmische orientierungslose Richtungen, zu verwinkelten Wegen, ähnlich eines Labyrinths, sodass es manchmal Tage, Wochen, Monate, Jahre brauchte, bis ich eine wohlbekannte Stimme hörte und zurück zu meinen Wurzeln fand. Stella Polaris wurde mir ein Kompass am Sternenhimmel. Der weiße Baumkönig und die Königin des Kummers worden eine Faszination des Lebens meiner inneren geheimnisvollen Seele, die eine Verbundenheit von allen Elementen einbezog. Ein Austausch von verschiedenen Materien, verwebt zu einer mechanisch funktionierenden Zelle.

Auf einem orange-rot-schattiert gefärbten Berg, breitete sich eine fremde, magisch lavaähnliche Sinnlichkeit aus. Ein Knabe steht auf dem Gipfel. Mit Adlers Augen beobachtet er, die vor sich ausgebreitete Welt. In einem braunen Umhang umwickelt, wirkte er majestätisch. Das Haar verweht im Wind. Ich war verzaubert! Wer war dieses Wesen? Was für ein Geschöpf? Ein Ahne?
Unser Antlitz traf sich, der Blick haftete an den Pupillen, um die Geschichte einer Seele zu lesen, welche das Dasein der Existenz wiederspiegelt. Es bildete sich ein Schatten von Kummer, Hoffnung, Ratlosigkeit, Wut und Zuversicht, der sich nicht verheimlichen ließ.
Ein sichtbarer Begleiter der unruhigen Geister. Wer kann sie besiegen? Die Antwort zieht ins weite Universum.
Das schöpferische Wesen, Fan Neno, mir gegenüber, erschien mir durch seine Reinheit als Bildnes dieser Welt, um mit der nächsten Blüte am nächtlichen Abend zu erwachen. Seine Gestalt hatte mich umhüllt. Ich war gefangen in einer traumhaften Illusion. Fan Neno, der träumende Junge lächelte und mein Herz erstrahlte.
Das spätsommerliche Ritual einer meteoritischen Lichterscheinung mit zahlreichen, eindringenden, fallenden Sternen nahmen wir wahr.
Eingehüllt im Schutz der Wünsche, einer kurzzeitigen weißen Magie. Der Wind lud zum Tanze ein und versprühte eine Harmonie. Die Harmonie, welche eine Melodie verbirgt, im Rhythmus einer abendländlichen Geselligkeit. Im Gefecht wir die stabile Mitte suchten, die eine ewige Einigkeit versprach.

Text in English

  • Die Vergänglichkeit einer Schneeflocke

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